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Auszug aus der Markt Impulse 2021 N°1

Handwerk, Magie und Fortuna.

Der Malerbetrieb Walter Leven aus Düsseldorf setzt auf Familie, Ausbildung und moderne Technik. Und auf ein kleines bisschen Zauberei…

Die Tür zum Aufenthaltsraum des Malerbetriebs Walter Leven führt in die Vergangenheit: An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos aus Gründungszeiten, auf dem Tisch liegen alte Malerpinsel, die vor 50 Jahren zum Einsatz kamen, auf abgewetzten Barhockern am Bartresen werden die Kollegen ins Partykeller-Zeitalter der 1980er-Jahre katapultiert. Chef Sascha Leven hält sich gern hier auf. Vieles vom Inventar ist Erinnerungen an Firmengründer Walter Leven. Als der 47-Jährige sich auf dem Sofa niederlässt, quietscht es verdächtig. „Die Feder ist schon etwas in die Jahre gekommen“, räumt er lächelnd ein. „Aber ich möchte mich ungern von den alten Möbeln trennen. Auch die stammen noch von meinem Vater.“

Familienprojekt.

Walter Leven machte sich 1962 in Düsseldorf selbstständig. Von der alten, stillgelegten Eller Mühle aus, dem damaligen Standort des Unternehmens, fuhr der Maler- und Lackierermeister die Baustellen der Umgebung an. Sohn Sascha packte schon während seiner Jugend im Unternehmen mit an. 

Eine Karriere im Handwerk hatte er zunächst aber nicht geplant. „Ich wollte BWL studieren und hatte mich bereits an der Uni Wuppertal beworben“, erinnert er sich. „Doch dann hat mir mein Gefühl gesagt, dass ich woanders gebraucht werde.“ Sein Vater erkrankte an Leukämie. Um ihn zu entlasten, trat Sascha Leven kurzerhand in die Fußstapfen des Vaters und legte einen Durchmarsch hin. Er absolvierte die Lehre im elterlichen Betrieb und bildete sich weiter fort. 1998 konnte sich Sascha Leven seinen Meisterbrief an die Wand hängen da war er gerade 25 Jahre alt. Drei Jahre später machte der Düsseldorfer noch seinen Betriebswirt. Sascha Leven erlebte in dieser Zeit, wie die Krebserkrankung seinen Vater zunehmend schwächte. 

Als Walter Leven im Jahr 2002 verstarb, standen Sascha Leven und Bruder Markus in der Verantwortung. Unterstützung erhielten die beiden Geschäftsführer durch ihre Mutter. Anita Leven war eine gelernte Kauffrau.

Die Abrechnungen gingen über ihren Schreibtisch, zudem beschaffte sie neues Material. „Meine Mutter war keine Frau, die im Rentenalter nur auf dem Tennisplatz stehen wollte“, schildert Sascha Leven. „Sie ist in ihrer Arbeit aufgegangen.“
Vor eineinhalb Jahren kam ein weiterer Schicksalsschlag für die Familie. Und damit auch für das Unternehmen. Anita Leven erlitt einen Schlaganfall und verstarb im August 2019. „Das war für uns ein großer Schock, der uns sehr belastet hat“, beschreibt Sascha Leven diese Zeit. Halt fand er bei seiner Familie, Ehefrau Sandra und Schwiegervater Werner Eck haben die Brüder im Unternehmen unterstützt. 

Nach der ersten Trauer gingen sie gemeinsam einen langgehegten Wunsch an: Das Mehrfamilienhaus der Levens, in dem sich auch seit 1992 der Firmensitz befindet, bekam als Familienprojekt eine umfangreiche Fassadensanierung. Seitdem fällt das Haus aus den 1970er-Jahren im Stadtteil Hassels auf, mit seinem anthrazitfarbenen Kratzputz und dem Kontrast zu Fenster- und Türrahmen, die in einem hellen Grauton gestrichen wurden.

Hingucker im Viertel: Die Fassade seines Firmensitzes und Wohnhauses hat Sascha Leven im vergangenen Jahr saniert.

Nostalgie und Moderne

"Ich habe Ihm schon angedroht die 60 Jahre im Unternehmen vollzumachen" - Heinz Mahn, Altgeselle

Der Betrieb ist ein Traditionsunternehmen, dabei jedoch keineswegs in der Zeit stehen geblieben. So kommen neuerdings auch moderne Drohnen zum Einsatz. Mit dem Fluggerät führen die Mitarbeiter auch bei schwierig einsehbaren Häusern Fassadenchecks durch. Sie lassen die Drohne beim Kunden steigen und ermöglichen so auch detaillierte Aufnahmen von schwer zugänglichen Bereichen wie Dachgauben oder Dachrinnen. „So können wir mögliche Schäden dokumentieren und das Sanierungskonzept umgehend anpassen“, begründet Sascha Leven die Investition. 

Auch bei seiner Personalplanung hat der Chef die Zukunft stets im Blick. Er beschäftigt aktuell fünf Auszubildende – bei insgesamt 20 Mitarbeitern eine bemerkenswerte Quote. Zu den Neuen gehören Sharon Wachholder, 21, und Elias Mahmuti, 19. Beide begannen ihre Ausbildung im vergangenen August und haben seitdem viel gelernt. „Schon in den ersten Wochen durfte ich Wände streichen und Tapeten verkleben“, sagt Elias Mahmuti. Und Sharon Wachholder ergänzt: „Die Kollegen lassen mich viele Sachen alleine machen, haben aber auch immer die richtigen Tipps parat. So soll es in der Ausbildung sein.“

Die Azubis profitieren vom Erfahrungsschatz des Teams. Und der lässt sich bei einigen Kollegen in Zahlen benennen:    

So blicken die Gesellen Klaus Thissen und Frank Nielsen bereits auf 40 Jahre im Malerbetrieb Walter Leven zurück, und der 70-jährige Heinz Mahn gehört, mit mehr als einem halben Jahrhundert Firmenzugehörigkeit, längst zum Inventar. Vor einigen Monaten verlieh ihm die Handwerkskammer eine Urkunde für 55 Jahre im Betrieb. Sascha Leven ist stolz auf seinen ältesten Mitarbeiter: „Solche Lebensläufe findet man heute gar nicht mehr.“

Dabei hatte Heinz Mahn, genau wie sein Chef Sascha Leven, als Jugendlicher völlig andere Pläne. Sein Berufswunsch hieß: Masseur und medizinischer Bademeister. „Doch dann hatte ich den Bademeister
aus der Schule im Kopf“, erzählt Mahn und ergänzt grinsend: „So wollte ich nicht wer- den.“ Also ging er zu Walter Leven, begann dort seine Ausbildung und fand den Beruf fürs Leben.

2013 trat Mahn ins Rentenalter ein. Aber die Arbeit – und vor allem die Kollegen – fehl- ten ihm. Und so blieb er einfach. „Ich habe schon angedroht, die 60 Jahre im Unter- nehmen vollzumachen“, scherzt Mahn. Als Aushilfe versiegelt er weiterhin Oberflächen, spachtelt Wände und trägt Farbe auf. Nebenbei lernt er nicht nur die jungen Kollegen an, er verzaubert sie dabei auch manchmal: Wenn die Zeit es zulässt, sorgt der 70-Jährige auf den Baustellen für Unterhaltung und packt allerhand Tricks aus. 

„Der Heinz ist unser Zauberer“, sagt Sascha Leven. Der Düsseldorfer trickst auch vor Publikum.

Malerbetrieb Walter Leven

Seit 1962 in Düsseldorf

1962 gründete der Malermeister Walter Leven das Unternehmen in Düsseldorf. Seit dem Tod des Vaters im Jahr 2002 stehen seine Söhne Sascha und Markus in der Verantwortung. Mit dem Namen Malerbetrieb Walter Leven bewahren die beiden dem Verstor­ benen ein Andenken. 20 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das Aufträge in Düsseldorf, aber auch in Essen, Mönchengladbach, Krefeld oder Köln abwickelt. Fünf Auszubildende gehören zum Team. In diesem Jahr wird das Unternehmen wachsen, unter an­ derem kommen zwei weitere Maler­ und Lackierermeister hinzu.

Fußballprojekt

Fortuna- eine Herzenssache

Heute ist der Altgeselle aber nicht als Zau- berer gefragt, sondern als Handwerker. Er fährt mit Sascha Leven in den Düsseldorfer Stadtteil Benrath. Dort saniert der Maler- betrieb im Auftrag einer Wohnungsbaugenossenschaft Mietwohnungen. Geselle Se- bastian Bodewein hat in mehreren Räumen bereits Wände mit Raufaser tapeziert und Zargen weiß gestrichen. Heinz Mahn mustert das Badezimmer. Er streicht mit der Hand über die Wand. „Das passt, die Fläche ist eben“, lobt er den 26-Jährigen. Und auch Sascha Leven nickt zufrieden: „Solche Arbeiten sind unser tägliches Geschäft.“ Andere Aufträge wiederum sind alles andere als alltäglich. 

2018 bekam Sascha Leven den Zuschlag, die Malerarbeiten am neuen Nachwuchsleistungszentrum von Fortuna Düsseldorf durchzuführen. In den Kabinen, wo sich die Talente des rheinischen Fußballklubs vor dem Training umziehen, im Fitnessbereich, in dem die Nachwuchsspieler ihre Gewichte stemmen, oder in den Besprechungsräumen, wo sich die Trainer zum Austausch treffen: In all diesen Bereichen haben Sascha Levens Mitarbeiter gestrichen. Sie haben viel Rot und Weiß aufgetragen – die Vereinsfarben der Düsseldorfer. Auch den Fassaden verpassten

die Maler einen Fortuna-Anstrich. „Da haben wir schon einige Meter gemacht“, beschreibt der Chef.
Die Arbeit für Fortuna Düsseldorf war für Sascha Leven mehr als ein wichtiger Job. Der Verein spielt auch in seiner Familiengeschichte eine wichtige Rolle. 1933 gewann die Mannschaft die Deutsche Meisterschaft mit Kapitän Theo Breuer, der Sascha Levens Großonkel war. Zur Erinnerung hängt das Konterfei des Fußballnationalspielers in Levens nostalgischem Pausenraum. Woran sich Sascha Leven ebenfalls gern erinnert, ist der Moment, als das Vereinslogo auf die Fassade kam. „Das ist schon besonders gewesen“, erinnert er sich. Fast schon magisch. 

Kein Wunder – das Logo malte ja Heinz Mahn, der Zauberer.

An dieser Stelle möchten wir uns als gesamtes Maler Betrieb Leven Team nochmals bei Brillux für die ausführliche Berichterstattung im Magazin der „MarktImpulse“ und Fotograf Daniel Elke für die  sehr beeindruckenden Bilder bedanken.